ShipSan Manual in 3. Auflage erschienen
Mit der Veröffentlichung der 3. Edition des ShipSan Manual liegt nun eine umfassend überarbeitete Grundlage für die Umsetzung europäischer Hygiene- und Infektionsschutzstandards im maritimen Umfeld vor. Das ShipSan-Projekt, ursprünglich im Rahmen europäischer Public-Health-Initiativen entwickelt, verfolgt das Ziel, einheitliche und wissenschaftlich fundierte Vorgaben für die Gesundheitsprävention an Bord von Schiffen zu schaffen. Die neue Ausgabe stellt eine wichtige Aktualisierung dar und stärkt den evidenzbasierten Ansatz, der für die maritime Medizin zunehmend unverzichtbar ist.
Europäische Evidenzorientierung vs. US‑amerikanische Regelwerke
Während ShipSan klar auf wissenschaftlicher Evidenz und europäischer Public-Health-Methodik basiert, orientieren sich international operierende Reedereien in der Regel mit mehr Stringenz an den Vorgaben des US‑amerikanischen Vessel Sanitation Program (VSP). Dessen Regelungen wurden ebenfalls erst kürzlich aktualisiert – fokussieren jedoch traditionell auf die Vermeidung gastrointestinaler Infektionserkrankungen und nach wie vor nicht auf akute Atemwegsinfektionen (ARI). Das ist bemerkenswert, da die US‑Quarantänegesetzgebung ausdrücklich vorsieht, dass Schiffe virale Atemwegsinfektionen zumindest als kumulativen Report melden müssen.
Um diese Lücke zu schließen, existiert die ergänzende CDC‑Leitlinie “Guidance for Cruise Ships on Management of Acute Respiratory Illness (ARI) due to Viral Infection”. Sie bietet praktische Kriterien für Surveillance und Fallmanagement, ist jedoch kein offizieller Bestandteil des VSP. Dadurch entsteht ein Nebeneinander von Regelwerken, das in der Praxis zu Unsicherheiten führen kann – insbesondere, wenn Reedereien und medizinische Teams versuchen, sowohl europäischen als auch US‑amerikanischen Anforderungen gerecht zu werden.
Infektionsschutz an Bord: Alltag für Schiffsärztinnen und Schiffsärzte
Für medizinisches Personal an Bord gehört der professionelle Umgang mit Infektionskrankheiten zum täglichen Kernauftrag. Anders als in der heimischen Praxis oder im Krankenhaus, wo einheitliche nationale Leitlinien gelten, müssen Schiffsärztinnen und Schiffsärzte parallel mit unterschiedlichen internationalen Vorgaben arbeiten. Dazu zählen europäische Standards wie ShipSan, US‑amerikanische Regelwerke wie das VSP sowie zusätzliche flaggenstaatliche und reedereiinterne Anforderungen.
Gerade deshalb sind klare, evidenzbasierte und konsistente Leitlinien von großer Bedeutung. Das ShipSan Manual bietet hierfür ein solides Fundament und unterstützt medizinische Teams dabei, Hygieneprozesse und Infektionsschutzmaßnahmen sicher, nachvollziehbar und regelkonform umzusetzen.
Fazit
Die 3. Edition des ShipSan Manual ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der maritimen Gesundheitsstandards. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit den US‑Regelwerken, dass international weiterhin keine vollständige Harmonisierung besteht – insbesondere im Bereich der Atemwegsinfektionen. Für die tägliche Arbeit an Bord bleibt daher ein hohes Maß an Fachwissen, Flexibilität und Regelwerkskompetenz erforderlich. Aus diesem Grund legen wir in unserem Modul 1 „Einführung in die Maritime Medizin“ einen besonders praxisorientierten Fokus auf Infektionsschutz und Surveillance – damit unsere Teilnehmenden Wissen aus erster Hand, echte Detailtiefe und die Sicherheit erhalten um an Bord jederzeit souverän und regelkonform handeln zu können.
Autor: Christoph Sevenich